Ein Wohnzimmer hat 30 Quadratmeter. Ein Hotel hat 65 Zimmer. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt für die meisten Menschen eine Welt. Für uns liegt dazwischen dieselbe Frage: Wie soll sich dieser Raum anfühlen, wenn jemand ihn betritt?
Seit 1976 planen und realisieren wir Innenräume in Vorarlberg und weit darüber hinaus. In dieser Zeit sind Penthouse-Wohnungen entstanden, Restaurants, komplette Hotelinnenräume, Bankfilialen, Zahnarztpraxen und ein Bahnhofsgebäude. Was auf den ersten Blick nach völlig verschiedenen Aufgaben aussieht, folgt in Wahrheit derselben Handschrift.
Dieser Beitrag zeigt anhand echter Projekte, wo die Unterschiede tatsächlich liegen, wo sie nur scheinbar existieren und was Privatkunden von Hotelprojekten lernen können. Und umgekehrt.
Privat: Ein Raum, viele Gefühle
Bei privaten Projekten gibt es keinen Betreiber, keine Auslastungsrechnung, keine Rendite. Es gibt Menschen, die in diesem Raum leben wollen. Oft über Jahrzehnte.
Die Bandbreite ist dabei größer, als viele vermuten. Wir haben die Wohnung von Familie Wachter im Dachgeschoss von Boden bis Decke geplant, mit Küche, Einbauschränken, Bad, Lichtkonzept, Sound und Außenbereich. Wir haben eine Penthouse-Wohnung in Bludenz und ein Penthouse für Familie L. in Mäder umgesetzt. Dazu Appartements in den Bergen, für Familie S. in Lech und Familie R. in Zürs, ein Einfamilienhaus, ein Poolhaus und die Wohnanlage MG8 in Dornbirn.
Was diese Projekte prägt: Die Entscheidungen sind emotional. Ein Familienmitglied liebt Eiche, das andere findet sie zu hell. Jemand will offen wohnen, jemand anderes braucht Rückzug. Unsere Aufgabe ist selten, die eine richtige Lösung zu präsentieren. Sie besteht darin, so lange zuzuhören, bis die Lösung sichtbar wird, die alle mittragen.
Deshalb arbeiten wir früh mit 3D-Visualisierungen. Eine fotorealistische Darstellung nimmt einer Diskussion die Abstraktion. Statt über Beschreibungen zu streiten, schauen alle auf denselben Raum. Das verkürzt Entscheidungswege erheblich und verhindert teure Korrekturen in der Bauphase.
Ein Detail am Rande: Bei Ferienappartements in Lech oder Zürs verschwimmen die Grenzen ohnehin. Sie werden privat genutzt und zugleich vermietet. Damit gelten dort plötzlich Anforderungen, die man sonst nur aus dem Objektbereich kennt.
Hotellerie und Gastronomie: Ein Raum, sechzig Mal
Bei Hotelprojekten dreht sich die Logik. Es geht nicht um ein einzelnes Zimmer, sondern um alle Innenräume eines Hauses: von der Rezeption über die öffentlichen Bereiche bis zu den Zimmern und dem Restaurant dahinter.
Für das Hotel Alpstadt in Bludenz haben wir ein siebenstöckiges Haus in Holzmodulbauweise mit 65 Zimmern und 130 Betten ausgestattet: Innenarchitektur, Böden, Möblierung, Polsterungen, Vorhänge, Accessoires. Jedes Detail musste 65 Mal funktionieren und 65 Mal denselben Qualitätsstandard halten.
Beim Hotel Sonne in Mellau war die Aufgabe eine andere: eine Komplettsanierung des Erdgeschosses im Vier-Sterne-Superior-Segment, dazu eine Überarbeitung der Zimmer, umgesetzt zwischen März und Mai 2024. Ein enges Zeitfenster, weil ein Hotel nicht monatelang stillstehen kann. Planung, Bauleitung und Ausführung mussten ineinandergreifen wie Zahnräder. Im selben Ort haben wir für das Hotel die Wälderin die kompletten Polsterarbeiten sowie die Vorhänge übernommen.
Im Val Blu in Bludenz haben wir Restaurant und Rezeption neu gedacht. Eine Pergola-Konstruktion schafft dort einen Raum im Raum, der Zonierung erzeugt, ohne Wände zu bauen. Vorangegangen ist eine Machbarkeitsstudie, weil bei Objektprojekten die entscheidende Frage oft vor dem ersten Entwurf steht: Geht das überhaupt, und was kostet es wirklich?
Wie weit die Bandbreite in diesem Bereich reicht, zeigt der Blick über Vorarlberg hinaus. Das Designhotel Madlein in Ischgl und das SeeMOUNT Active Nature Resort im Paznauntal stehen für alpine Ferienhotellerie mit hohem gestalterischem Anspruch. Das Hotel Montafon Moments in Gortipohl, das Landhaus „afoch fei” in St. Anton und das Garni Feuerstein gehören ebenso dazu wie das Restaurant Ronna in Gargellen.
In der Gastronomie ist die Handschrift wieder eine andere. Hubers Café, Restaurant und Bar in Götzis, das dasTschofen in Bludenz, das Pier 69 in Bregenz und das Badehaus am Kaiserstrand in Lochau: Gastroräume müssen in wenigen Sekunden eine Stimmung transportieren und gleichzeitig einen Betrieb aushalten, der jeden Abend über sie hinwegrollt. Und manchmal ist der Raum gar kein Raum im klassischen Sinn. Für die Moët und Chandon Champagner-Gondel haben wir eine Seilbahnkabine sowie die Bergstation zum Erlebnisort gemacht.
Gewerbe, Handel und öffentliche Hand: Räume, in denen gearbeitet wird
Der dritte große Bereich wird oft unterschätzt, weil er selten in Hochglanzmagazinen auftaucht. Dabei entscheidet er darüber, wie Menschen ihren Arbeitstag erleben und wie ein Unternehmen von außen wahrgenommen wird.
Für die Volksbank in Bregenz haben wir gemeinsam mit dem Architekturbüro Bernd Spiegel ZT gearbeitet. Für die Zahnärzte Dr. Mätzler in Dornbirn ging es darum, eine Praxis zu schaffen, in der Menschen sich entspannen, obwohl sie das eigentlich nicht vorhaben. Die VIVATEC GmbH in Lauterach, die Alkus in Vaduz, die Fahrschule Mallin, Sonia mit i in Hohenems und die Räume der MULTIMEDIAFABRIK in Koblach zeigen, wie unterschiedlich Gewerbeflächen aussehen dürfen, wenn man sie nicht als Fläche behandelt, sondern als Raum.
Und in der Bahnhofcity Feldkirch kommt eine Anforderung dazu, die es sonst kaum gibt: Öffentliche Räume werden von Menschen genutzt, die niemand gefragt hat. Sie müssen für alle funktionieren, rund um die Uhr, ohne Einweisung.
Wo die echten Unterschiede liegen
Die Planungslogik ist verwandt. Die Rahmenbedingungen sind es nicht.
Materialien: Ein Bodenbelag im privaten Wohnzimmer muss anderen Belastungen standhalten als einer im Hotelgang oder in einer Bahnhofshalle. Objektbereiche verlangen höhere Nutzungsklassen, Textilien müssen deutlich höhere Scheuertouren erreichen und Brandschutzanforderungen erfüllen. Was privat wunderbar funktioniert, ist im Objekt manchmal schlicht nicht zulässig.
Zeitfenster: Private Bauherren haben in der Regel Spielraum. Hotels haben Saisonwechsel. Eine Sanierung, die zwei Wochen zu spät fertig wird, kostet echtes Geld in Form ausgefallener Buchungen. Deshalb planen wir bei Objektprojekten Puffer ein, bevor der erste Handwerker anrückt.
Entscheidungsstrukturen: Privat sitzen zwei bis vier Personen am Tisch. Bei Hotel- oder Bankprojekten sind es Eigentümer, Betreiber, Architekt, manchmal Banken und Förderstellen. Wer hier keine klare Kommunikationsstruktur aufbaut, verliert Zeit an Abstimmungsschleifen.
Wiederholbarkeit: Im Objekt entsteht ein Musterzimmer, bevor die Serie startet. Es wird begangen, getestet, kritisiert und angepasst. Erst danach geht es in die Vervielfältigung. Diese Disziplin kennt der private Bau in dieser Form nicht.
Was beide Welten verbindet
Trotz aller Unterschiede: Der Kern bleibt gleich.
Es beginnt immer mit Zuhören. Wir fragen nach Nutzung, Abläufen, Gewohnheiten, Wünschen. Bei einer Familie ebenso wie bei einem Hoteldirektor oder einer Filialleitung. Wer nur nach dem gewünschten Stil fragt, plant an der Realität vorbei.
Es folgt immer ein Konzept, bevor Material bestellt wird. Farbwelten, Materialkombinationen, Lichtstimmungen, Raumzonierung. Auf Wunsch als fotorealistisches Rendering oder 360°-Panorama.
Und es endet immer damit, dass ein Ansprechpartner die Verantwortung trägt. Als Generalunternehmer koordinieren wir alle beteiligten Gewerke, auch die, die nicht aus unserem Haus kommen. Individuelle Möbel planen wir bis ins Detail und lassen sie durch bewährte Partnerbetriebe fertigen. Für unsere Kunden bedeutet das: eine Nummer, eine Rechnung, eine Person, die Auskunft geben kann.
Häufige Planungsfehler und wie wir sie lösen
| Typischer Fehler / Herausforderung | Professionelle Lösung durch Wohnfloor |
| Materialauswahl nach Optik statt nach Beanspruchung. Der Boden sieht im Muster wunderbar aus und ist nach zwei Jahren im Hotelgang abgenutzt. | Wir prüfen jedes Material zuerst auf seine Eignung für die tatsächliche Nutzung, dann auf Ästhetik. Nutzungsklassen, Scheuertouren und Brandschutzanforderungen klären wir vor der Auswahl. |
| Gewerke werden einzeln beauftragt. Bei Terminverzug oder Mängeln schiebt jeder die Verantwortung weiter. | Als Generalunternehmer übernehmen wir die Koordination sämtlicher Gewerke. Sie haben einen Ansprechpartner, der die Verantwortung trägt. |
| Entscheidungen werden anhand von Beschreibungen getroffen. Das fertige Ergebnis entspricht nicht der Vorstellung. | Vor Projektstart erstellen wir fotorealistische 3D-Visualisierungen und 360°-Panoramen. Der Raum wird begehbar, bevor er gebaut wird. |
| Bei Objektprojekten wird ohne Musterzimmer in Serie gegangen. Fehler vervielfältigen sich. | Wir setzen ein Musterzimmer um, das gemeinsam begangen und bewertet wird. Anpassungen erfolgen vor der Serienfertigung. |
| Das Lichtkonzept wird am Ende geplant, wenn Elektroleitungen bereits liegen. | Lichtplanung gehört bei uns in die Konzeptphase. Beleuchtung entscheidet über Raumwirkung und lässt sich nachträglich nur mit hohem Aufwand korrigieren. |
| Sanierungszeitfenster werden zu knapp kalkuliert. Der Betrieb kann nicht rechtzeitig öffnen. | Wir planen Bauzeitpläne mit realistischen Puffern und stimmen Lieferfristen vorab ab. Bei Saisonbetrieben ist der Eröffnungstermin die Fixgröße, an der alles ausgerichtet wird. |
| Der Grundriss wird übernommen, wie er ist. Ungenutzte Flächen und schlechte Wege bleiben bestehen. | Wir hinterfragen die Raumaufteilung grundsätzlich. Oft entsteht durch Zonierung oder eine verschobene Wand deutlich mehr nutzbare Fläche. |
Von der ersten Idee bis zur Übergabe
Ganzheitlich zu arbeiten heißt für uns nicht, alles selbst zu machen. Es heißt, für alles verantwortlich zu sein.
Unsere Innenarchitektur entwickelt das Konzept. Unsere Raumausstattung setzt Böden, Wände, Decken, Vorhänge und Sonnenschutz um. Unsere Malerei sorgt für die Oberflächen. Individuelle Möbel planen und koordinieren wir gemeinsam mit spezialisierten Partnerbetrieben. Für Sonderaufgaben wie Trockeneisstrahlen, mit dem sich empfindliche Oberflächen schonend reinigen lassen, haben wir eigene Verfahren im Haus.
Mit über 40 Mitarbeitern decken wir den gesamten Prozess ab, von der ersten Skizze bis zum Tag, an dem der Schlüssel übergeben wird. Für unsere Kunden bedeutet das kurze Wege, klare Zuständigkeiten und ein Ergebnis, das im gesamten Projekt eine Handschrift trägt.
Kommen Sie vorbei
Am schnellsten versteht man, wie wir arbeiten, wenn man Material in die Hand nimmt. Auf 800 Quadratmetern zeigen wir in unserem Showroom in Bludenz Böden, Stoffe, Farben und Möbel, die Sie sehen, anfassen und vergleichen können. Ob Sie eine Wohnung neu denken, eine Praxis einrichten oder ein Hotel sanieren wollen: Der Weg dorthin beginnt fast immer mit einem Gespräch und einem Nachmittag zwischen echten Materialien.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
